Zum Landesdelegiertentag der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Niedersachsen am 21. und 22. Februar stand neben der Wahl eines neuen Landesvorstandes und der Festsetzung inhaltlicher Ziele die psychische Gesundheit von Polizeibeamten im Fokus. Zu diesem Anlass gastierte die Robert-Enke-Stiftung im Rahmen ihres eigeninitiierten Projektes „Robert-Enke-Stiftung auf Tour“ beim Landesdelegiertentag, um über die Krankheit Depression aufzuklären und über die Stiftungsarbeit zu informieren.

Angriffe auf Kollegen oder die eigene Person, Einsätze mit Schwerstverletzten und Sterbenden, oder auch der notwendige Gebrauch der Schusswaffe: Polizeibeamte und Rettungskräfte geraten mitunter in Ausnahmesituationen. Situationen, die jeden Menschen psychisch sehr belasten können. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hat sich nun dieser Problematik angenommen und sie zum Thema einer Expertentagung im Rahmen des Landesdelegiertentages gemacht. Unter dem Motto „Brennen, statt zu verbrennen“ wurde sich insbesondere mit dem sogenannten Burnout und der Krankheit Depression im Allgemeinen sowie in Bezug auf den Polizeiberuf auseinandergesetzt.

Babak Rafatis Leidensweg

Neben dem Bundesvorsitzenden der DPolG, Rainer Wendt, war auch der Innenminister des Landes Niedersachsen, Boris Pistorius, welcher sich in der Robert-Enke-Stiftung als Mitglied des Kuratoriums engagiert, zu Gast und sprach ein Grußwort. Hauptreferent der Expertentagung war der ehemalige Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Babak Rafati. In seinem Vortrag berichtete er von seinem Weg bis zu einem Suizidversuch im Jahr 2011, welchen er in Folge von Depressionen begangen hatte. Zentral dabei war die Botschaft, dass Menschen für ihren Beruf zwar „brennen“ können, sich dafür aber nicht „ver“- beziehungsweise „ausbrennen“ lassen sollten. Die Vermittlung von Präventionsstrategien und Handlungsempfehlungen für Jedermann rundeten den Vortrag ab.

Erste Schritte Richtung Enttabuisierung

Die Resonanz zeigte, dass in der polizeilichen Berufsgruppe noch große Hemmungen bestehen, Schwäche zu zeigen. Gerade im Arbeitsleben als Staatsvertreter erscheint es besonders wichtig, ein starkes Vorbild zu sein und Autorität auszustrahlen. So ist es wenig verwunderlich, dass psychische Krankheiten und insbesondere Depressionen noch merklich mit einem Tabu behaftet sind. Die Expertentagung und die damit einhergehende Behandlung der Thematik Depression konnten als erster Schritt verbucht werden, die Krankheit nun auch in dieser Berufsgruppe ein Stück weit aus der Tabuzone zu rücken: Nach dem Vortrag zeigten sich die Polizisten offener gegenüber dem Thema und informierten sich an dem Stand der Robert-Enke-Stiftung intensiv über das Krankheitsbild.

Mittels des Informationsstandes konnte den Delegierten und Teilnehmern der Expertentagung ein vertiefender Blick in die Thematik gegeben und ein direkter Ansprechpartner geboten werden. So ließ sich eine Brücke zu der Berufsgruppe der Polizisten schlagen und die vorherrschenden Hemmungen bei den Anwesenden in weiten Teilen abbauen.