Hannover: Der Ex-Trainer Jupp Heynckes, Enkes ehemaliger Mitspieler Marco Villa und Biograf Ronald Reng haben am 11. November 2014 im Landesmuseum in Hannover an den Torwart und Menschen Robert Enke erinnert. Vor mehr als 220 Besuchern sprachen die Experten über die Karriere des Fußballspielers, die Krankheit und den tragischen Tod Robert Enkes. Obwohl dieser die Menschen noch immer zutiefst bewegt, wurde bei einzelnen Blicken in die Vergangenheit auch gelacht. Manchmal aber wurde es einfach nur still. Ein bewegender Abschluss der fünftägigen Ausstellung „ROBERT gedENKEn – unser Freund und Torwart“.

Sowohl Heynckes als auch Villa waren Weggefährten des vor fünf Jahren gestorbenen Robert Enke gewesen. Beide stellten sich zum Abschluss der Ausstellung im Landesmuseum den Fragen von Moderator Ronald Reng (44). „Die Vereine und auch die Trainer haben dazugelernt“, sagte Heynckes. Der frühere 96-Spieler hat auch ganz andere Zeiten erlebt. „,Friss oder stirb‘ war damals im Profisport gang und gäbe. Heute ist das anders.“ Auch Heynckes selbst hat in Bezug auf „sensible“ Spielertypen dazulernen müssen: „Ein guter Trainer muss heute die Fähigkeit besitzen, Probleme bei Spielern außerhalb der sportlichen Leistung zu sehen“, so der 69-Jährige. Das sei ihm früher schwergefallen, weil er die hohen Ansprüche, die er an sich selbst gestellt habe, auch auf alle anderen Menschen in seinem beruflichen Umfeld übertragen hätte. „Es ist auch unsere Aufgabe, das Sozialverhalten der Spieler kennenzulernen“, erklärte Heynckes. „Ich halte es für außerordentlich wichtig, dass Vereine den Spielern psychologische Hilfe anbieten. Bei vielen Vereinen sind mittlerweile auch Psychologen angestellt“, sagte Heynckes und führte fort: „Früher habe ich davon nicht viel gehalten. Das ist jetzt anders.“

Heynckes berichtete, auch in der Schlussphase seiner Karriere mit dem Thema konfrontiert worden zu sein. „Ich habe selbst in den vergangenen vier Jahren einen Fall gehabt, wo wir gemeinsam mit dem Spieler einen Weg gefunden haben, da wieder raus zu kommen“, sagte er, natürlich ohne dabei einen Namen zu nennen. Im fraglichen Zeitraum trainierte Heynckes Bayer Leverkusen und den FC Bayern.

Sportlich zog Heynckes den Vergleich zwischen Enke und Weltmeister-Keeper Manuel Neuer, die sich sehr ähnlich seien. „Wenn ich heute das Torwartspiel von Manuel Neuer sehe, denke ich häufig: wie der Robert! Aber wenn der Robert sein Knie beim Eins-gegen-Eins so unnachahmlich einklappte, war er einzigartig“, sagte er.

DEx-Profi Marco Villa kannte Robert Enke bereits aus der Zeit in der U15 – Auswahl des DFB: „Robert hatte etwas ganz Besonderes, vom Talent her stand er weit über uns.“ Über die Freundschaft der beiden sagte Villa: „Ich habe meist den Kontakt gesucht, weil ich Robert so interessant fand.“ Heynckes bestätigte: „Robert war einfach distanziert, er hat keine Freundschaften gesucht.“ Villa forderte ein Umdenken bei psychischen Krankheiten: „Es reicht nicht wenn die Vereine etwas tun, sondern die Gesellschaft muss tätig werden. Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabuthema.“

Als Gäste der Veranstaltung äußerten sich auch 96-Chef Martin Kind, der frühere 96-Trainer Mirko Slomka und Ex-96-Kapitän Steven Cherundolo. Kind sagte: „Ich bin mit gemischten Gefühlen hergefahren, aber im Nachhinein war das eine überragende Sache.“ Ähnlich positiv äußerte sich Slomka: „Es war interessant zu hören, was so ein toller Trainer wie Jupp Heynckes über Robert Enke gesagt hat. Das war sehr bewegend.“ Bei Cherundolo, der mit Enke bei 96 gespielt hatte, brachte die Veranstaltung auch positive Erinnerungen hervor: „Ich musste oft an die Trainingssituationen beim „Fünf gegen zwei“ denken, da ist Robert immer aufgeblüht, das hat ihm richtig Spaß gemacht.“
Die Diskussion kann unter folgendem Link noch einmal nachverfolgt werden:
www.gedenken.robert-enke-stiftung.de/livestream

Die Robert-Enke-Stiftung und Teresa Enke bedanken sich beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) recht herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit.