Hannover, 07. November 2014: „Robert ist nicht freiwillig aus dem Leben geschieden.“ Es war dieser Satz von Teresa Enke, der am Freitagabend bei der Podiumsdiskussion im ausverkauften Kuppelsaal des Landesmuseums deutlich machte, um was es geht, wenn man im 21.  Jahrhundert über Depressionen spricht. Depression ist eine Krankheit wie jede andere auch, und sie muss behandelt werden.

Im Rahmen der Ausstellung zum fünften Todestag von Robert Enke, dem früheren Torwart von Hannover 96 und der Deutschen Fußallnationalmannschaft, sprach eine Diskussionsrunde im Museum über die „Volkskrankheit Depression“. Teresa Enke beschrieb, wie sich die Krankheit bei ihrem Mann, dem nach außen so erfolgreichen Torwart, bemerkbar machte. „Niedergeschlagenheit, alles fällt einem schwer, die Konzentration lässt nach, alles verlangsamt sich.“ Von ähnlichen Erfahrungen erzählte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Soldaten, die bei Auslandseinsätzen lebensbedrohliche Situationen erfahren hätten, falle es oft schwer, sich an das normale Leben zu Hause zu gewöhnen. „Ein Kaminfeuer kann Soldaten mit schrecklichen Erinnerungen überfluten. Viele denken dann: Ich bin doch stark, und Schwäche zeigen schadet meiner Karriere.“

Können Angehörige und Freunde erkennen, dass ein Mensch von der Krankheit bedroht ist? So lautete die Frage von HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt, der die Runde auf dem Podium moderierte. Es gebe Hinweise, sagte Prof. Petra Garlipp, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie an der MHH. Wenn sich die Wahrnehmung nur noch um die eigene Befindlichkeit drehe, alles sich verenge im Leben. Gefährdet seien auch Menschen mit hohem Pflichtbewusstsein, die nicht mehr wahrnehmen könnten, wie eingeschränkt ihr Leben sei. „Aber es braucht keinen traurigen Anlass, um eine Depression zu bekommen. Auch eine Beförderung, eine Hochzeit kann ein Anlass sein.“ Garlipp betonte indes, dass es sehr gute Behandlungsmöglichkeiten gebe. Was wohl nützen würde, um einen Hinweis von Petra Garlipp umzusetzen: Wichtig sei es, mit depressiv Erkrankten immer wieder Gespräche zu führen.

Die Bundesverteidigungsministerin bedankte sich bei Teresa Enke ausdrücklich für ihr Engagement in der „Robert-Enke-Stiftung“. Hierdurch wird es vielen Menschen ermöglicht, sich im privaten wie beruflichen Bereich zu öffnen und über seelischen Leiden zu sprechen. Die Robert-Enke-Stiftung und Teresa Enke bedanken sich bei Hendrik Brandt und der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) recht herzlich für die sehr gute Zusammenarbeit.