Project Description

Zahlreiche Jugendliche und Erwachsene nutzen Fitness-Apps als Alternative zum Training in Vereinen, Gruppen oder Fitnessstudios. Für Kinder mit angeborenem Herzfehler gibt es hingegen keine speziell auf ihre Bedürfnisse und Belastungsniveaus ausgerichteten Trainings-Apps. Doch wären diese aus medizinischer Sicht überhaupt für diese Zielgruppe geeignet und praktikabel? Der Lehrstuhl für „Präventive Pädiatrie der Technischen Universität München“ und das Deutsche Herzzentrum München widmen sich nun dieser Frage. Gemeinsam wird eine zunächst webbasierte Lösung für Herz-Patienten entwickelt und getestet, um ihnen so die Möglichkeit zu geben mit krankheitsspezifischen Sportprogrammen Defizite im konditionellen oder sportmotorischen Bereich auszugleichen.

Angeborene Herzfehler werden von den betroffenen Kindern und deren Eltern häufig als bedrohlich empfunden und können Ängste hervorrufen. Bei den Wenigsten ist dies nötig. Die meisten Kinder werden aus Vorsicht körperlich geschont und nehmen häufig nicht an sportlichen Aktivitäten teil, obwohl diese aus medizinischer Sicht durchaus wünschenswert wären. So weisen Patienten mit einem angeborenen Herzfehler reduzierte gesamtmotorische sowie eingeschränkte grob- und feinmotorische Fähigkeiten auf. Mit einer praxisnahen Bewegungsintervention soll jetzt versucht werden, diese sportmotorischen Einschränkungen frühestmöglich zu beheben.

Unter der Projektleitung von Dr. rer. nat. Jan Müller und Prof. Dr. med. Renate Oberhoffer (Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie an der Technische Universität München) sowie Prof. Dr. med. Peter Ewert und Prof. Dr. med. Alfred Hager (Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler im Deutschen Herzzentrum München) wurde eine webbasierte Bewegungsintervention aufgestellt, welche zur Verbesserung der Sportmotorik bei Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler beitragen soll. Im Rahmen der Digitalisierung bieten webbasierte Interventionen – also häusliche Trainings – eine gute Alternative zu Übungseinheiten vor Ort in der Klinik, da sie kosteneffizient und unabhängig von festen Trainingszeiten und Orten sind.

Primäres Forschungsziel ist es herauszufinden, ob sich die sportmotorischen Fähigkeiten bei Kindern mit angeborenem Herzfehler durch eine sechsmonatige, webbasierte und überwachte Bewegungsintervention verbessern lassen. An dem Forschungsprojekt nehmen 80 Patienten mit angeborenem Herzfehler im Alter von 10-18 Jahren teil. In Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern der Technischen Universität München werden verschiedene zielgruppenorientierte Bewegungs- und Kräftigungsübungen für die teilnehmenden Kinder und Jugendliche definiert. Diese Übungen und deren Durchführung werden gefilmt, zu Videosequenzen geschnitten und schließlich zu verschiedenen Übungsprogrammen von je 20 Minuten zusammengesetzt.

Das Programm läuft unter dem Namen „One Hour a Week, Brings Mobility, Power and Speed“. Wird es in der Zukunft also eine Fitness-App für herzkranke Kinder und herzkranke Jugendliche geben? Fest steht, dass Interventionsmaßnahmen zugleich zeitgemäß sein und sich an den Bedürfnissen des Patienten orientieren sollten. Viele Patienten nehmen eine Anfahrt zu einem Training aus zeit- und logistischen Gründen nicht wahr. Dagegen kann ein häusliches Training in Eigenverantwortung erfolgen. Eine webbasierte Infrastruktur bietet somit eine komfortable und zeitgemäße Lösung. Ein tolles Forschungsprojekt, das die Robert-Enke-Stiftung mit 25.000 Euro unterstützt.

 

Quellen:

Müller, J., Oberhoffer, R., Hager, A. & Ewert, P. (2017). Webbasierte Bewegungsintervention zur Verbesserung der Sportmotorik bei Kindern und Jugendlichen mit angeborenem Herzfehler. München: Klinik für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler, Deutsches Herzzentrum München, Technische Universität München; Lehrstuhl für Präventive Pädiatrie, Technische Universität München.

Deutsches Herzzentrum München. Sportgruppen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit angeborenem Herzfehler. Verfügbar unter http://www.dhm.mhn.de/de/kliniken_und_institute/klink_fuer_kinderkardiologie_u/forschung/sportgruppen_fuer_patienten_mi.cfm [16.01.2018].