Hannover, 19. Februar 2013: Im Rahmen der Niedersächsischen Landesausstellung „TABU?! Verborgene Kräfte – Geheimes Wissen“ diskutierten zum Thema „Depression im Fußball: Was hat sich getan?“ unter anderem der Torwart von Hannover 96, Markus Miller, sowie Jan Baßler als Geschäftsführer der Robert-Enke-Stiftung. Hierzu kamen rund 150 Interessierte in das Landesmuseum Hannover.

Die Gesprächsteilnehmer, zu denen auch der Sportpsychologe Prof. Dr. Andreas Marlovits zählte, der die Fußballbundesliga-Mannschaft von Hannover 96 im Jahr 2010 über mehrere Monate betreute, waren sich einig darüber, dass der Tod Robert Enkes sowie die Gründung der Robert-Enke-Stiftung zu erheblichen Veränderungen hinsichtlich des Umgangs mit psychischen Erkrankungen im Bereich des Profifußballs geführt haben. In diesem Zusammenhang konnte Markus Miller dem anwesenden Publikum über seine Erfahrungen mit einer derartigen Krankheit berichten, nachdem er 2011 den Schritt an die Öffentlichkeit wagte und sich damals selbst elf Wochen in eine stationäre Behandlung begab. Auf die Frage von Moderator Christoph Dannowski, ob er seine Erkrankung noch einmal öffentlich machen würde, antwortete Miller: „Ja, denn das war eine der wichtigsten und besten Entscheidungen meines bisherigen Lebens.“

Für diesen offenen Umgang fand auch Jan Baßler ausschließlich lobende Worte: „Im Fall von Markus Miller war die Vorgehensweise des Spielers und Vereins in enger Absprache mit der Robert-Enke-Stiftung, wie auch die Berichterstattung der Medien, vorbildlich. Ohne Zweifel können wir hier von einem ‚best practice‘ – Beispiel sprechen.“

Der RES – Geschäftsführer stellte jedoch ebenfalls klar, dass es das primäre Ziel der Stiftung sei, für betroffene Leistungssportler ein niedrigschwelliges Angebot zu schaffen, wie es beispielsweise die Initiative „MentalGestärkt“ an der Deutschen Sporthochschule Köln oder die an bundesweit acht Universitätskliniken eingerichteten DGPPN-Sprechstunden „Seelische Gesundheit im Sport“ darstellen. Auf welche Weise der Sportler anschließend in zweiter Instanz mit seiner Erkrankung und der dazugehörigen Therapie in der Öffentlichkeit umgehe, sei ein weiterer Schritt, der von der Robert-Enke-Stiftung gewissenhaft begleitet, allerdings nicht gefordert wird.

Diese insgesamt positive Entwicklung nimmt die RES zum Anlass, um in Zukunft weitere Bereiche des Leistungssports bezüglich der Thematik psychische Belastungen/Erkrankungen zu erreichen. So mahnte Prof. Dr. Marlovits an, dass insbesondere jugendliche Leistungssportler beispielsweise in den zahlreichen Nachwuchsleistungszentren der Fußballbundesligisten (NLZ), der Olympiastützpunkte (OSP) oder den Sportinternaten keinerlei oder nur in begrenztem Maße sportpsychologische und sportpsychiatrische/sportpsychotherapeutische Hilfen in Anspruch nehmen können.

Diesbezüglich beschreibt Jan Baßler bevorstehende Tätigkeitsfelder der Robert-Enke-Stiftung: „Des Weiteren müssen die Nachwuchssportler insbesondere über präventive beziehungsweise edukative Maßnahmen wie zum Beispiel die Entwicklung von Handlungsstrategien auf jegliche psychische Belastungen im Hochleistungssport vorbereitet werden.“